![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
U61 - Notfallmedizin/Traumatologie: Erfrierung (Congelatio) - Hypothermie
| Diagnose |
|---|
|
|
Bei allgemeine Hypothermie, die akut (Sturz ins kalte Wasser) oder protrahiert (Kälteexposion im Rahmen einer Bewusstlosigkeit)
abläuft, kann es zusätzlich auch zu lokalen Erfrierungen kommen.
Bei lokalen Erfrierungen kommt es primär zur Vasokonstriktion der Körperakren mit weißlich oder bläulich-marmorierter Verfärbung
und Gefühllosigkeit.
Das Ausmaß der Erfrierung ist in den ersten Stunden (Tagen) nicht auszumachen.
Es werden (analog der Verbrennung) 3 bzw. 4 Schweregrade unterschieden, die sich in den ersten Stunden nicht abgrenzen lassen. Mitunter wird erst nach Tagen oder Wochen das Ausmaß der Schädigung sichtbar.
Erfrierung Grad 1 - Der betroffene Körperteil ist initial blass und gefühllos (infolge Ischämie).
Bei Wiedererwärmung kommt es zu Schwellung, Schmerzen und Pruritus (Hyperämie) -
Restitutio ad integrum!
Erfrierung Grad 2 - Nur die Haut ist betroffen! Zu Ödem und Blasenbildung kommt es frühestens nach 1 Tag.
Nach 2-3 Wochen Ausbildung von oberflächlichen, schwarzen Krusten, die sich allmählich abheben -
Restitutio ad integrum!
Erfrierung Grad 3 - Tiefe Gewebsveränderungen! Nach Wiedererwärmung löst sich der Gefäßspasmus nicht
(Dauerspasmus der Arteriolen). In der terminalen Strombahn kommt es zur Gefäßweitstellung
mit daraus resultierender, extrem langsamen Zirkulation. Sauerstoffdefizit mit
Permeabilitätsstörung, Ödembildung und Plasmaaustritt folgen. Es kommt zur Nekrosebildung,
Demakierung, Gangrän und Phlegmone!
Erfrierung Grad 4 - Alle Gewebeschichten sind betroffen (= Totalvereisung!).
Akren können bei Berührung abbrechen.
Folgende Bilder zeigen Aussehen und Heilungsverlauf einer Erfrierung Grad 2
vor und nach Abtragung der betroffenen Haut:
- Bilder können durch Anklicken vergrößert werden -
![]() |
![]() |
![]() |
| - - - Congelatio Grad 2 - - - | ||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| - - - Heilungsverlauf nach Nekroseabtragung - - - | |||
CAVE - Allgemeine Hypothermie vor lokaler Versorgung behandeln! Eine mechanische Traumatisierung aller Art durch Einreiben oder Massagen (mit Schnee etc.) muss natürlich unterbleiben.
Lokale Therapie - Sterilen Verband anlegen.
Locker verbinden (Watte etc. einlegen) und druckfrei lagern. Besteht keine allgemeine Unterkühlung, sollte die Extremität vom Patienten
aktiv bewegt werden (Beachte: Erwärmung der Extremität sehr schmerzhaft!). Keine Salben, KEIN Eröffnen der Hautbläschen,
keine gefäßerweiternde Medikamente geben (Steel-Effekt mit Verstärkung der metabolischen Azidose).
Weitere Behandlung an der Unfallchirurgische Abteilung!
Beachte: Die Versorgung einer systemischen Hypothermie hat immer Priorität vor der lokalen Erfrierung.
Dabei ist (bei starker Unterkühlung) ein i.v.-Zugang ohne Nutzen, ein zentraler Venenkatheter kontraindiziert
(Gefahr von Kammerflimmern!). KEINE Medikamente bei Bradykardie + Hypothermie!
Bei ausgeprägter Hypothermie (ab Grad 3) ist ein NAH anzufordern und ein Transport in eine Klinik mit Herz-Lungenmaschine
anzustreben.
| Suche | Home | Inhaltsverzeichnis | 60 | 61 | Traumatologie |
Notfallmedizin/Traumatologie: Erfrierung, Congelatio - Hypothermie
© 30.9.2002 by Anton Ernst Lafenthaler / Ludwig Lepka-Faber
mu-cong