Suchfunktion Home Inhaltsverzeichnis Rapilysin

873 - Notfallmedizin/Notallmedikamente: Methylprednisolon (MPS)


Methylprednisolon
  • 1 Trockenstech-Amp.
  • 15,6 ml= 1000 mg
  • Dosis - 30 mg/kgKG i.v.
  • per inf. in 15 min.
  • Solu-Medrol ®

    Wirkung: Solu-Medrol ist eine i.v. injizierbare Form des Glukokortikoids Methylprednisolon. Es besitzt eine starke antiinflammatorische Wirkung, in hoher Dosis ist es gut antiödematös wirksam. Für traumatische Rückenmarksschädigungen ist der Benefit statistisch dokumentiert (Nascis 2) - aber umstritten.

    Anwendungshinweise

    Indikation
  • Rückenmarkstrauma
  • mit Neurologie
  • Spinaler Schock
  • Seit 2006 wird bei uns im Notarztdienst auch beim Spinaltrauma mit Neurologie generell kein Methylprednisolon mehr gegeben. Bisher wurden beim Spinaltrauma mit Neurologie 30 mg/kgKG über 15 min. i.v. injiziert oder per Kurzinfusion verabreicht (1500 - 3000 mg). Nach 45 Minuten Pause wurden kontinuierlich 5,4 mg/kg/h per perfusionem über 23 und evtl. weitere 24 Stunden gegeben.
    Die Erhaltungsdosis muss innerhalb 3 Stunden und darf nicht später als 8 Stunden nach Eintreten der Querschnittssymptomatik gegeben werden. Wird diese Frist versäumt, ist kein positiver Effekt auch bei kontinuierlicher Gabe mehr zu erwarten, es steigen im Gegensatz dazu die septische Komplikationen.

    Anmerkung: Die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Neben den bekannten Nebeneffekten wie BZ-Erhöhung, Immunsuppression etc. kommt es auch zu psychischen Beeinträchtigungen bzw. Wahrnehmungsstörungen, wie z.B. veränderten Realitätswahrnehmung, Unbehagen und Bewusstseinsveränderung. Halluzinationen werden (eigene Beobachtung) des öfteren berichtet.

    Wirkung/NW
  • antiödematös
  • Nebenwirkung
  • Hyperglykämie
  • Halluzinationen ?
  • Kontraindikation
  • im Notfall KEINE
  • Die neuesten Empfehlungen bzgl. der hochdosierten Corticoidgabe werden kontrovers diskutiert. Die NASCIS III umfasst 3 Behandlungsgruppen. Alle erhalten sie die Initialdosis von 30 mg/kg. Unterschiedlich dann die Dauer der MPS-Gabe von 5,4 mg/kg/h mit 24 Stunden-Infusion, 48 Stunden in der zweiten Behandlungsgruppe und 2,5 mg/kg Tirilazad im 6-stündigen Intervall ebenfalls für die Dauer von 48 Stunden. Die Beurteilung der neurologischen Erholung wurde erstmals standardisiert.
    Ergebnis: Nach 1 Jahr erholten sich alle Patienten gleichermaßen, unabhängig von der Art der medikamentösen Behandlung. Die Gruppe, welche 48 Stunden mit MPS behandelt wurden, wiesen nach 6 Wochen und 6 Monaten eine geringgradig bessere Motorik auf, im Gegensatz zu denen, die nur 24 Stunden mit MPS oder mit Trilazad behandelt wurden. Die sensorische Beeinträchtigung blieb unbeeinflusst. Leider gab es keine Plazebogruppe in dieser Studie.

    Unbestritten ist aber das Zeitfenster von 8 Stunden, innerhalb der die Therapie eingeleitet werden soll. Eine erst nachher begonnen MPS-Therapie hat keinen nachweisbaren Nutzen, sondern lediglich Nebenwirkungen. Als "erheblich" wurden aber die NW der Therapie eingestuft wie septische Komplikationen, insbesondere in der Gruppe, die 48 Stunden MPS erhielten.

    Fazit: Der Entschluss, kein MPS nach spinalem Trauma zu geben, kann nicht als Unterlassung gewertet werden, entsprechend dem Kenntnisstand der Studiendatenlage 1999 (NASCIS III). Wichtig - insbesondere vor Ort - ist die adäquate Sauerstoffversorgung, die KL-Stabilisierung und selbstverständlich die professionelle Bergung . . .

    Information im Internet (PDF):

    http://www.bda.de/
    http://www.uni-marburg.de/


    Anmerkung: Die Medikamentenwahl und deren Spezialitätenname sind keine Empfehlung einer speziellen Herstellerfirma und stehen in keinster Weise mit meiner Person in Verbindung. Es sind jene Medikamente, die bei uns im NEF mitgeführt werden.


    Suche Home Inhaltsverzeichnis 70 71 72 74 75 76 77

    Notfallmedizin/Notallmedikamente: Methylprednisolon
    © 14.2.2005 by Anton Ernst Lafenthaler
    mm-promed