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325 - Notfallmedizin/Trauma: Wirbelsäulenverletzungen


WS-Verletzungen
  • HWS-Verletzung
  • BWS/LWS-Verletzung
  • Schleudertrauma
  • Wirbelsäulenverletzungen

    WS-Verletzungen treten bevorzugt im Rahmen von Verkehrsunfällen oder als Arbeitsunfälle (Sturz aus großer Höhe) auf. Mittlerweile auch zunehmend Sportunfälle (Mountainbike, Schiunfall, Kopfsprung ins flache Wasser etc.).

    Eintreffen am Unfallort

    Schon bei Eintreffen am Unfallort sollte auf das Umfeld des Verletzten geachtet werden. Höhe des Sturzes, Bodenbeschaffenheit, Unfallmechanismus (insbes. bei Verkehrsunfällen ergibt die Inspektion schon erste Hinweise auf das Verletzungsmuster).

    Bewegungen und Bewegungsdefizite des Verletzten können noch vor der eigentliche klinischen Untersuchung beobachtet werden. Patient wenn möglich entkleiden, auf Hämatome, Gibbusbildung und offene Verletzungen achten, Druck- und Bewegungsschmerz prüfen etc.

    Einschätzung des Verletzungsschwere

    RM-Läsion: Th12/L1
  • Paraplegie
  • Sensibilitätsverlust
  • Sehnenreflexe fehlen
  • Die Verdachtsdiagnose einer WS-Verletzung ist fast ausschließich nur beim ansprechbaren Patienten möglich (Ausnahme: sichtbare Fehlstellung oder tastbare Lücken zwischen den Dornfortsätzen).

    Von diagnostischer Bedeutung ist der örtliche Druckschmerz über den Dornfortsätzen bzw. Verstärkung des Schmerzes, wenn sich der Patient zu bewegen versucht. Muskelspasmen, Hämatome und Deformierung der WS geben zusätzliche Hinweise. Neurologische (sensible/motorische) Ausfälle oder gar aufsteigende Sensibilitätsstörungen ergeben den dringenden Verdacht einer Wirbelsäuleninstabilität.

    Motorik und Sensibilität prüfen!

    Halskrawatte

    Bei allen Patienten mit Verletzungen im Kopf- und/oder Schulterbereich muss auch mit einer Verletzung der HWS gerechnet werden. Insbesonders gewaltsame Beugung der HWS (Autounfall) geht mit Frakturen der vorderen oder hinteren Wirbelkörperanteile und Zerreißung der Ligamente einher. Die Disci sind meist mitgeschädigt. Eingeschränkte Beweglichkeit, Spasmen der Halsmuskulatur und abnorme Haltung sind zusätzliche Hinweise.

    RM-Läsion: L4/L5
  • Schlaffe Parese
  • Sensibilitätsverlust (Fußrand lat.)
  • Achilles-Sehnenreflex fehlt
  • Eine weitere häufige Lokalisation einer WS-Verletzung ist der thorakolumbale Übergang. Dieses Verletzungsmuster entsteht durch Hyperflexion (plötzliches Vorwärtsbeugen nach einem Sturz oder bei Aufprall auf das Gesäß). WS-Verletzungen im LWS-Bereich führen generell zu schlaffen Paresen und Sensibilitätsausfälle in den entsprechenden Versorgungsgebieten.
    Frakturen der Dornfortsätze entstehen eher durch direkten Schlag aber auch beim Hyperflexionstraumata.

    Luxationsfrakturen

    Hyperextensions- und Flexionstraumen verursachen häufig instabile Frakturen. Eine Luxation von Wirbelkörpern ist im allgemeinen immer mit einer Fraktur verbunden. Es besteht das Risiko einer Kontusion des Rückenmarks oder einer dauerhaften Kompression.

    Luxationsfrakturen sind häufig Folge direkter Gewalteinwirkung auf die WS. Trümmer der frakturierten Wirbelkörper dringen in den Wirbelkanal und verletzen das RM. Plötzliche Gewalteinwirkungen führt auch häufig zum Bandscheibenprolaps. Der dorsaler Prolaps komprimiert das RM, der antero-lateraler Prolaps die Nervenwurzeln.

    Neurologische Defizite = WS-Instabilität?

    Rückenmark-Verletzungen

    RM-Läsion: C2/C3
  • Hoher Querschnitt
  • Atemlähmung
  • Bei Verletzungen des Rückenmark werden die Commotio, Contusio und Compressio spinalis unterschieden.
    Während die Commotio spinalis (lediglich Dysästhesien) immer reversibel ist, bilden sich bei der Contusio spinalis die Ausfälle nur unvollständig zurück (Gefäßschäden?). Bei der Compressio spinalis wird Nervengewebe mehr oder weniger zerstört.

    C2/C3-Verletzung

    Bei einer Wirbelkörperverletzung oberhalb von C4 tritt innerhalb von Minuten Tod durch Atemlähmung ein. Nur die sofortige künstliche Beatmung verhindert den sofortigen Tod.

    C5/C6-Verletzung

    RM-Läsion: C5/C6
  • Tetraplegie
  • Zwerchfellatmung
  • Interkostalmuskulatur gelähmt
  • Schulterbewegungen möglich
  • Sensibilitätsausfall
  • Sehnenreflexe fehlen
  • Komplette Parese der Interkostalmuskulatur. Es besteht lediglich eine Zwerchfellatmung. Tetraplegie (die Funktionen des Schultergürtels bleibt erhalten). Kompletter Sensibilitätsausfall unterhalb der Klavikula. Sehnenreflexe fehlen (gelegentlich ist der Bizepssehnenreflex erhalten).

    Ein hypovolämischer Kreislaufschock ohne wirklichen Hinweis auf schwere Blutung muss an einen spinalen Schock denken lassen. Regelmäßige Blutdruckkontrollen und Beachtung der gestörten Wärmeregulation (bei Hitze vor Überwärmung und bei Kälte vor Auskühlung schützen) sind unbedingt notwendig.

    Reflexverhalten beim spinalen Schock nicht aussagekräftig!

    Als geeignetes Transportmittel gilt der NAH. Eine genaue Dokumentation der neurologischen Ausfälle ist unbedingt notwendig.


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    Notfallmedizin/Trauma: Wirbelsäulenverletzungen
    © 21.2.2002 by Anton Ernst Lafenthaler
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