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321 - Notfallmedizin/Konzepte: Verletzungsmuster - Polytrauma
Polytrauma bedeutet Beurteilung und Therapie einer oder mehreren lebensbedrohlicher Verletzungen! Hier sollen kurz die häufigsten lebensbedrohlichen Verletzungen beschrieben werden. In der Tabelle finden sich die entsprechenden Querverweise.
Dieses tritt häufig isoliert auf, ist aber meist mit anderen Verletzungen (Gesicht-, Kiefer- und HWS-Verletzungen) kombiniert. Prüfung der Bewusstseinslage (GCS), Pupillenweite, Lichtreaktion und Spontanbewegungen zählen zu den Erstbefunden, um die schwere des SHT's einschätzen zu können.
Zur Erstbehandlung gehören die Sauerstoffgabe und Maßnahmen zur Vermeidung einer intrakraniellen Hirndrucksteigerung (O-Körper 30 Grad hochlagern). Keinesfalls darf nur der Kopf angehoben bzw. unterpolstert werden, weil dadurch der Venenabfluss behindert wäre. Auch eine Seitlagerung des Kopfes muss vermieden werden, da die A.vertebralis eingeengt würde - Compressio cerebri.
Corticoide senken beim SHT die Letalität nicht und sollten aufgrund der negativen Auswirkung auf die zelluläre Immunabwehr nicht verabreicht werden. Pneumonie und Sepsisrate sind ohne der Behandlung mit Corticoiden geringer.


Der Verletzungsgrad beim - Thoraxtrauma - ist am
Unfallort besonders schwer einzuschätzen.
Eine Rippenserienfraktur mit oder ohne Hämatopneumothorax führt zur schmerzbedingten
Schonatmung + Hypoventilation und somit zur Hypoxie.
Die zunehmende Ateminsuffizienz ist eine Indikation
zur Intubation + Beatmung mit PEEP.
Bei einem schweren abdominellen Trauma oder bei der instabiler Beckenfraktur kann
es zu massiven Blutverlusten kommen.
Eine forcierte Schocktherapie -
hämorrhagischer Schock -
sowie Intubation + Beatmung stehen im Vordergrund.
Die zurückhaltenden Gabe von Analgetika beim SHT und abdominellen Trauma
haben heute keine Bedeutung mehr, da CT und Ultraschall leicht eine gezielte Diagnostik ermöglichen.
Spritzende (arterielle) Blutungen werden primär mittels einer
sterile Kompresse und Mullbinden versorgt. Große blutende Gefäße können durch
digitale Kompression und nachfolgendem
Anlegen eines Druckverbandes zum Stillstand gebracht werden.
Abgeklemmt sollte nur mit entsprechenden atraumatische Gefäßklemmen werden
und auch nur dann, wenn das blutende Gefäß identifiziert werden kann, was selten der Fall ist.
Instabile - WS-Verletzungen - sind nicht so häufig wie
angenommen und haben
keinerlei Vorrang gegenüber der Sicherung von Vitalfunktionen (Sturzhelm immer
abnehmen - Aspirationsgefahr!).
Thoraxverletzungen beim Polytrauma
Ein bei kontrollierter Beatmung auftretender
- Spontanpneumothorax -
muss sofort erkannt und durch eine - Thoraxdrainage - beseitigt werden.
Komplikation bei maschineller Beatmung - Spontanpneu!


Abdominelle Verletzung und Beckenfraktur beim Polytrauma
Perforierende Fremdkörper müssen belassen werden,
prolabierte Organe werden steril abgedeckt - nicht reponieren!
Eine instabile Beckenfraktur wird durch die Vakuummatratze stabilisiert.


Arterielle Blutungen beim Polytrauma
Proximales Abschnüren ist
meistens nicht zielführend und sollte, wenn unbedingt erforderlich mit der
Blutdruckmanschette erfolgen.
Amputationsverletzungen bluten primär praktisch nicht, sodass
problemlos ein fester steriler Verband (=Druckverband) angelegt werden kann.
Druckverband meist ausreichend!


Wirbelsäulen-Verletzung beim Polytrauma
Ein neurologischer Status sollte immer gemacht werden, um eine Verlaufsbeurteilung
zu ermöglichen.
Beachte: Blutdruckabfall!


Dislozierte Frakturen müssen auf jeden Fall reponiert werden (vorher Analgetika
verabreichen). Ein Belassen von Fehlstellungen bei Extremitätenfrakturen
führen zu Weichteilschäden und Nekrosen.
Auch offene Frakturen sollten reponiert werden, da die Entlastung der
Weichteile schwerer wiegt als die Verschleppung von Umweltkeimen.
Luxationen bzw. Luxationsfrakturen hingegen sollten schmerzarm unterpolstert werden. Eine rasche Reposition ist nur beim oberen Sprunggelenk, sowie bei Ellbogen- und Kniegelenksluxationen indiziert, insbesonders bei nachweisbaren Gefäß- und Nervenverletzungen.


Das Amputat sollte in einem wasserdichten Beutel verpackt und gekühlt werden.
Zwischen Kühlmittel (Wasser oder Eis) und Amputat müssen mehrere Kompressen
eingelegt werden (das Amputat darf nicht direkt dem Kühlmittel aufliegen).
Bei - Amputationsverletzungen - sollte der Polytraumatisierte
in ein Replantationszentrum
gebracht werden aber nur, wenn es sich zugleich um ein Traumazentrum
handelt - ansonsten spricht man gern von einem notärztlicher Kunstfehler.
Die Lagerung erfolgt IMMER auf einer Vakuummatratze. Es muss unbedingt auf eine ausreichende Analgosedierung (Dipidolor, Ketalar-S) und dem Schutz vor Auskühlung geachtet werden - ALU-Decke. Blutdruckkontrollen auch während des Transportes, Schanzkrawatte, Pulsoxymetrie und EKG-Überwachung sind unbedingt notwendig.
Wichtig ist die Konsequenz der bestehenden Kreislaufzentralisation beim Polytrauma. Medikamente müssen wegen der Kreislaufzentralisation geringer als sonst dosiert werden. Wegen des niedrigen HZV ist die Anschlagzeit der Medikamente verlängert.
Ein Polytraumatisierter darf erst bei stabilen Herz-KL-Verhältnissen transportiert werden, denn das immer auch bestehende Transporttrauma bedeutet eine zusätzliche Belastung und somit Verschlechterung des Gesamtzustandes.
Nur Verletzungen, die vor Ort nicht beherrscht werden können rechtfertigen einen Transport im instabilen Zustand. Das Ziel-Krankenhaus muss entsprechend informiert werden.
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Notfallmedizin/Konzepte: Verletzungsmuster - Polytrauma
© 21.2.2002 by Anton Ernst Lafenthaler
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