![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
334 - Notfallmedizin/Leitsymptome: Ertrinkungsunfall
| Formen |
|---|
|
|
Der Ertrinkungsvorgang ist zunächst charakterisiert durch panische Angst und heftigen Befreiungsversuchen. Zunehmend wird Wasser geschluckt und wieder Erbrochen.
Der Sauerstoffpartialdruck sinkt in wenigen Minuten unter 10 Torr ab, während der CO2-Anstieg nur etwa 2,5 mmHg/min beträgt (=rascher pO2-Abfall, langsamer pCO2-Anstieg). Daraus folgt, dass nicht Azidose und CO2-Anstieg, sondern die Hypoxie das zentrale pathologische Moment darstellt.
Bei Aspiration von Süßwasser tritt Wasser von den Alveolen in den Intravasalraum über. Es kommt zur Hypervolämie und Hämodilution. Die Abnahme des osmotischen Druckes führt zur Hämolyse mit Kaliumfreisetzung. Diese Elektrolytverschiebungen können Kammerflimmern auslösen. Insgesamt besteht aber meist nur eine mäßige Hämolyse, da selten mehr als 20 ml/kg Wasser aspiriert werden. Zusätzlich zerstört das Süßwasser die Surfactantspannung.
Bei Aspiration von (hypertonen) Meerwasser kommt es umgekehrt zum Austritt von Wasser (auch Albumine etc.) aus den Kapillaren in die Alveolen. Daraus folgt nicht nur ein schweres Lungenödem mit Hyperkapnie, Hypoxie und Azidose, sondern auch eine ausgeprägte Hämokonzentration. Die Surfactantspannung wird nicht beeinträchtigt.
Bei Nicht-Schwimmern sind es die Kinder bis zu 5 Jahren, welche meist aufgrund Unterkühlung Ertrinkungsunfälle erleiden. Bei älteren Kindern ist es die Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und konkreten Anforderungen, bei den über 18-jährigen nicht selten der Alkohol. Ältere Menschen erleben häufig Kreislaufattacken, insbesonders bei vorgeschädigtem Herzen. Häufige Ursachen des Ertrinkungstodes sind auch epileptische Anfälle im Wasser und das SHT.
Der sog. Tauchertod (=Tauchen nach Hyperventilation) ist die Ausnahme, da durch die körperliche Aktivität nicht nur das pO2 rasch abfällt, sondern auch das pCO2 rasch ansteigt - Beinahe-Ertrinken!
Die initiale Hypoxie nach Wasseraspiration bewirkt einen
Rechts-Links-Shunts in der Lunge. Süßwasser schädigt zusätzlich noch
die Surfactantspannung mit Atelektasebildung und Persistienz der Hypoxie.
Daher müssen auch gerettete, bewusstseinsklare Patienten über 48 Stunden auf
einer Intensivstation überwacht werden.
Spätfolgen können Aspirationspneumonie und
Lungenödem (Salzwasser) bzw. interstitielles Lungenödem (Süsswasser) sein.