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332 - Notfallmedizin/Leitsymptome: Brandverletzung


Diagnose
  • Inhalationstrauma
  • CO-Vergiftung
  • Reizgas-Inhalation
  • Brandverletzung
  • Strommarken
  • Brandverletzung

    Thermische Hautschäden

    Die thermische Schädigung der Haut besteht in der Auslösung einer entzündlich toxischen Reaktion der Kapillaren mit Permeabilitätsstörung. Die Freisetzung von Entzündungsmediatoren verursacht eine erhöhte Durchlässigkeit von Kapillaren und Venolen für Plasmaproteine und Wasser. Insbesonders Verbrennungen über 25% der Körperoberfläche führen rasch zur Dysregulation und Funktionsstörung aller Organsysteme.

    Dieser Verlust geht bis zum Volumenmangelschock, verstärkt durch eine neurogene Komponente infolge stärkster Schmerzen. Die gestörte Permeabilität der Zellmembran begleitet (Kapillarleck) mit der Folge von Hypoproteinämie + Ödembildung.
    Der Flüssigkeitsverlust ist in den ersten 24 Stunden am stärksten. Daher ist initial auch der größte Flüssigkeitszufuhr erforderlich.

    Beurteilung des Schweregrades

    Neuner-Regel nach Evans

    Flächen- und Tiefenausdehnung einer Verbrennung abzuschätzen ist in den ersten Stunden sehr schwierig. Generell gilt, dass die Verbrennungen in ihrer Ausdehnung meist unterschätzt werden (Nachbrennen). Zur Beurteilung der Flächenausdehnung bedient man sich der Neunerregel nach Evans oder als Hilfsmittel die Handfläche inklusiv Finger, welche etwa 1% der KOF entsprechen.

    Vola manus = 1%

    Für Erwachsene gilt die Neuner-Regel - (siehe Bild):
    Kopf und Arme entsprechen 9% der KOF, auf das Bein entfallen 9% auf die Vorderseite und 9% auf die Rückseite, auf den Rumpf entfallen je 9% auf die linke bzw. rechte Hälfte vorne und entsprechend. Generell gilt auch, dass die Handfläche (inkl. Finger) etwa 1% der KOF entsprechen.

    Kopf 9% - Arm 9% - Bein 18% - Rumpf 36% - Genitale 1%

    Bei Kinder verschiebt sich das Verhältnis oberer zur unteren Körperoberfläche zugunsten der oberen. Das bedeutet, dass bei Neugeborenen bereits 21% der KOF auf den Kopf entfallen und im Gegensatz dazu nur 1/3 auf den Rumpf und etwa 1/3 auf die Beine entfallen.

    Kopf 20% - Arme 20% - Beine 30% - Rumpf 30%

    Verbrennungstiefe beurteilen

    Haut, Skizze

    Grad 1 - Rötung (infolge Hyperämie), Schmerzen (Ödem der Epidermis)
    Grad 2a - Blasenbildung, Haut am Blasengrund hochrot, Schmerzen (Corium mitbetroffen, Hautanhangsgebilde erhalten)
    Grad 2b - Hautanhangsgebilde teilweise zerstört (subepidermale Blasen), Haut am Blasengrund weiß, teilweise nekrotisch.
    Grad 3 - Nekrosen bis auf die Subcutis, KEINE Schmerzen (Hautanhangsgebilde zerstört).

    Die Beurteilung der Verbrennungstiefe erfolgt nach dem Aussehen des Verbrennungsareals (Rötung, Blasen, Farbe) und dem Vorhandensein oder Fehlen der Sensibilität bzw. Schmerzhaftigkeit (Haare ausreißen, Nadelstiche).

    Für die Festlegung von Prognose und Therapie wird der oberflächliche (Grad 1 und 2a) Verbrennungsanteil der Hälfte einer tiefen Verbrennung gleichgesetzt, wobei der Verbrennungsgrad 2b bereits als tiefe Verbrennung gewertet wird.


    Flüssigkeitsbedarf berechnen

    Prognose und Überlebenschance sind nicht nur vom Ausmaß der Verbrennungsausdehnung und Verbrennungstiefe abhängig, sondern nicht unwesentlich vom Alter des Patienten. So haben Kinder und Jugendliche bei einer Verbrennungsausdehnung von 50% eine ebenso große Überlebenschance. Ab dem 30. Lebensjahr sinkt diese auf 40% und 60- bis 70-jährige haben gar nur noch eine etwa 15% Überlebenswahrscheinlichkeit. Diese Kriterien sind insbesonders beim Großunfall im Rahmen der - Triage - zu beachten. Vorbestehende Leiden verringern die Prognose noch zusätzlich.

    Auch die Zeitspanne zwischen Trauma und Therapiebeginn ist ein wesentlicher Faktor für die Prognose. Bei Verbrennungen um 25% verliert der Patient innerhalb von 2 Stunden etwa 25% des zirkulierenden Plasmavolumens, welches so rasch als möglich ersetzt werden sollte. Deshalb ist die parenterale Flüssigkeitszufuhr neben der Schmerztherapie auf alle Fälle dringlich.

    Der Volumenersatz sollte dabei immer mit Ringerlösung erfolgen. Als einfache Rechenformel hat sich das Therapieschema nach Baxter bewährt. Dabei wird die Flächen- wie die Tiefenausdehnung der Verbrennung mit dem Körpergewicht in Relation gesetzt, wobei die Hälfte des berechneten Wertes in den ersten 8 Stunden verabreicht wird.

    3 - 4 ml Ringerlösung /kg KG x % verbrannter Oberfläche!


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    Notfallmedizin/Leitsymptome: Brandverletzung
    © 21.9.2002 by Anton Ernst Lafenthaler
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