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I05 - Notfallmedizin/Interner Notfall: Akuter Myokardinfarkt - Lysetherapie
| Kontraindikation |
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Liegt der Schmerzbeginn nicht länger als etwa 3 - 4 Stunden zurück, so bestehen noch gute Chancen eines Lyseerfolges. Liegt der Schmerzbeginn innerhalb der ersten Stunde, dann ist ein Lyseerfolg wahrscheinlich (golden hour).
Nach Sicherung der Diagnose wird unmittelbar nach
Aufklärung
des Patienten und unter Beachtung der Kontraindikationen
eine Lysetherapie eingeleitet - unabhängig davon,
wie lange der Transport ins Krankenhaus dauert.
| Lyse-Indikation |
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Typische Klinik UND ST-Hebungen in mindestens 2 korrespondierenden
Ableitungen. Die Lyse sollte mit 250 mg - Aspisol - und -
Heparin - bzw. Lovenox i.v. kombiniert werden.
Auch die Gabe von ß-Blockern wirkt günstig auf das Infarktgeschehen
und sollte nur bei bestehender Kontraindikation (Bradykardie) nicht gegeben werden.
Anmerkung: Bei Infarktpatienten die älter als 76 Jahre sind, sollte auf die Gabe
von Lovenox i.v. ganz verzichtet bzw. nur subcutan (3/4 der üblichen Dosis) verabreicht werden.
Seit 1.Juli 2002 wird anstatt Rapilysin das Thrombolytikum - Tenecteplase - verabreicht. Anstatt Heparin wird bei uns Lovenox 30 mg i.v. gegeben. Bei langen Anfahrtswegen verabreichen wir zusätzlich 1 mg/kg Lovenox s.c.
Eine Hirnblutung in der Anamnese (Aneurysmablutung, SAB) gilt ausnahmslos
als absolute Kontraindikation der Lyse-Therapie.
Auch eine bestehende Hypertonie, insbesonders mit Blutdruckspitzen über 200 mmHg
systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch,
eine bekannte hämorrhagische Diathese (Marcoumar, Sintrom)
und/oder frische, aktive peptische Ulzera (GI-Blutung innerhalb eines Monats), sowie ein zerebraler Insult in den
letzten Monaten (innerhalb 6 Mo) gelten als Kontraindikationen.
Selbstverständlich auch eine bekannte oder vermutete Schwangerschaft.
Chirurgische Eingriffe vor wenigen Wochen oder
ein schweres Poly-Trauma in den letzten Wochen/Monaten sind relative Kontraindikationen;
ebenso die Reanimation.
Angepasst der Situation muss der Patient über die Risiken einer Lysetherapie (lebensbedrohliche Komplikationen) aufgeklärt werden. Wenn der Patient nach entsprechender Aufklärung die Lyse verweigert, kann diese NICHT durchgeführt werden.
Nach Ausschluss der KI - Ausschlusskriterien - und Aufklärung des Patienten kann sofort nach Schmerzbekämpfung die erste Dosis (z.B. Rapilysin) verabreicht werden.
| Vorgehen |
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Die ersten Maßnahmen sind Sauerstoffgabe, Anlegen der EKG-Elektroden, Blutdruckmessung, setzen eines Venflons und Schmerzbekämpfung mit Fentanyl, Piritramid oder besser Morphin. Im Zuge der Infarktdiagnostik kann schon nach Kontraindikationen einer Lysetherapie gefragt werden.
Sind Klinik und EKG-Befund eindeutig, wird der Patient kurz über mögliche Folgen der Lysetherapie aufgeklärt und nach dem Einverständnis des Patienten mit der i.v.-Gabe von Rapilysin bzw. - Tenecteplase - begonnen. Heparin oder besser Lovenox i.v. und Aspisol werden zusätzlich verabreicht. Das Lysemedikament muss über einen gesonderten Venflon appliziert werden, weil es mit anderen Medikamenten chemisch reagiert.
Der Abtransport erfolgt ohne Hektik und in möglichst ruhiger Athmosphäre. Der Patient muß die Gewissheit haben, dass die Therapie des erlittenen Infarkts bereits begonnen und gute Heilungsaussichten bestehen. Kontinuierliches Monitoring und Defibrillationsbereitschaft sind selbstverständlich!
Neben den Komplikationen des Myokardinfarkts kann es im Rahmen einer Lysetherapie
zu ernsthaften bis tödlichen Zwischenfällen kommen.
Kommt es zu einer Gehirnblutung, so folgt eine
irreversiblen ZNS-Schädigung (= Pflegefall) bis zum Hirntod.
Blutungen aus floriden Ulzera oder eine bestehende
hämorrhagische Diathese können schwerste Blutungen provozieren.
Rhythmusstörungen (= Reperfusionsstörungen ?) sind mit und ohne Lysetherapie zu erwarten und nicht
unbedingt eine spezielle Lysekomplikation. Jede Lysetherapie erfolgt in
Defibrillations- und Intubationsbereitschaft!
Der mögliche Nutzen einer Lysetherapie ist möglicherweise gering, dass Risiko aber sehr hoch. Nur eindeutige Lyseindikationen rechtfertigen eine derartige Therapie.