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I21 - Notfallmedizin/Interner Notfall: Asthma bronchiale


DD
  • Lungenödem, cardial
  • Lungenödem, neurogen
  • Pulmonalembolie
  • Asthma-Anfall

    Asthma bronchiale ist definiert als reversible Atemwegsobstruktion infolge erhöhter Empfindlichkeit der Atemwege. Die Beschwerdeintensität geht von quälendem Husten bis zur schweren Dyspnoe. Fast immer wird ein Asthmaanfall auch von medizinischer Seite unterschätzt. Ob die Ursache der Atemwegsobstruktion Schleim oder Muskelspasmen sind, ist umstritten.

    Ein Asthmaanfall kann innerhalb weniger Minuten zum Tod führen !

    Pathophysiologie

    Verneblermaske

    Bronchienverengung - Die Abnahme des Atemwegsdurchmessers bedingt durch Kontraktion der Bronchialmuskulatur (= Muskelspasmen) in Verbindung mit vermehrt zäher Schleimproduktion erfordert vermehrt Atemarbeit in der Expirationsphase. Die eingeatmete Luft kann nur unter hohem Druck wieder ausgeatmet werden. Die versuchte forcierte Expiration komprimiert die Bronchien zusätzlich.

    CO2 - Retention - Die Inspirationsmuskulatur kann das notwendige Atemvolumen nicht mehr aufrechterhalten und es kommt zur CO2-Retention und letztlich zur Apnoe.

    Die M. sternocleidomastoideus - Anspannung korreliert gut mit der Schwere des Asthma-Anfalles.

    Cor pulmonale - Die kleinen Lungengefäße in der Alveolarwand werden durch den steigenden umgebenden Alveolardruck ebenfalls komprimiert und erhöhen so den pulmonalen Gefäßwiderstand. Die Folge ist ein Cor pulmonale.

    Die daraus resultierende Ventilation-Perfusionsstörung führt zum Abfall des pO2 bis zur . . .

    lebensbedrohlichen Hypoxie !


    Klinik

    Klinik
  • Dyspnoe/Tachypnoe
  • verlängertes Expirium
  • Distanzgeräusch (Giemen)
  • Atemhilfsmuskulatur
  • M.sternocleidomastoideus
  • - Anspannung
  • Hypertonie
  • Blässe
  • Zyanose
  • Angst
  • Muskuläre Erschöpfung
  • Silent lung
  • Dyspnoe bei forcierter Expiration (Tachypnoe > 25/min), Distanzgeräusch (Giemen), Einsatz der Atemhilfsmuskulatur und Blässe stehen im Vordergrund.

    Beim schweren Asthmaanfall ist der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur besonders ausgeprägt und es kommt bei muskulärer Erschöpfung zur Zyanose.
    Bei zunehmender Obstruktion sind keine Strömungsgeräusche mehr zu hören (=silent lung). In dieser Phase ist der Patient schwerst gefährdet. Die zunehmende CO2-Intoxikation macht die Patienten dann ruhig und schläfrig - Apnoegefahr!
    Beachte: CO2-Intoxikation - Hypoxie !

    Differentialdiagnose

    Die Differenzierung des Asthma-Anfall von einem beginnenden Lungenödem kann schwierig sein (auch beim kardial bedingtem Lungenödem kommt es initial oft zu spastischen RG's). Die Anamnese (Patienten wissen um ihre Krankheit: Schwaches Herz - Asthma - COPD etc.) und die Medikamenteneinnahme führen zur richtigen Diagnose.

    Notfall-Therapie

    Therapie
  • Patient aufsitzen
  • Sauerstoff
  • Fenoterol
  • Morphin
  • 250 mg Prednisolon
  • Adrenalin p.inhal.
  • Theophyllin 3-5mg/kg
  • bei Vormedikation: 1mg/kg
  • evtl. Ipradol s.c./i.v.
  • Intubation als Ultimo ratio
  • Bei Eintreffen am Notfallort haben die Patienten meist schon 20 - 30 Hübe ihres ß2-Sympathomimitikums (z.B. Berodual) inhaliert. Diese Sprays kommen allerdings bei fortgeschrittener Atemwegsobstruktion nicht mehr zum Wirkort, sondern verbleiben in den großen Atemwegen (kein broncholytischer Effekt, aber Nebenwirkungen steigen).

    Patient aufsitzen, Sauerstoff geben, Bricanyl-/Berodualspray, intravenösen Zugang schaffen und evtl. schon 1/2 Amp. Morphin verdünnt auf 10 ml geben. Zusätzlich können ß-Sympathomimetika gegeben werden, wenn die Herzfrequenz unter 140/min liegt (0,5 mg Terbutalin s.c.).

    Wichtig ist auch die sofortige Gabe von Cortison - z.B. 200 mg Volon-A i.v., insbesondere wegen des permissiven Effekts (ß-Rezeptorenzunahme).
    Suprarenin via Maskenvernebler ist ebenfalls möglich. Dabei werden 1 Ampulle Suprarenin (1 mg) mit NaCl 0,9% verdünnt oder pur in die Verneblerkammer eingebracht. Der Flow soll 3 - 6 l/min betragen (bei Kinder halbe Dosis).

    Theophyllin 5 mg/kg i.v. langsam über mindestens 5 min geben (bei bestehender Dauertherapie genügen auch 1 mg/kg). Theophyllin-Präperate können auch oral verabreicht werden bei gleicher Wirksamkeit.

    Die Gabe von Sedative ist mit besonderer Vorsicht anzuwenden. Die scheinbare Beruhigung des Patienten kann zu Hypoxie und akuten respiratorischen Insuffizienz führen, welche die sofortige Intubation und Beatmung erforderlich machen würde.

    KEINE Sedativa !

    Die Verabreichung von Sauerstoff ist bei getrübtem Sensorium unbedingt erforderlich, kann aber bei bereits bestehenden Hyperkapnie einen Atemstillstand provozieren (der Atemantrieb durch Hypoxie fällt weg). Im Normalfall genügen 2 l/min via Nasensonde.

    Bei einer global respiratorischen Insuffizienz ist die Intubation unumgänglich!

    Beachte

    Eine kontrollierte Beatmung ist bei schwerem Bronchospasmus nur äußerst schwer durchzuführen (sehr hoher Beatmungsdruck!) und mit einer hohen Komplikationsrate verbunden. In den meisten Fällen ist eine, wenn auch insuffiziente Spontanatmung immer noch besser!!

    Kontrollierte Beatmung komplikationsreich!

    Status asthmaticus

    Status - Therapie
  • w.o.
  • 250 mg Prednisolon
  • Adrenalin p.inhal.
  • Intubation
  • Ketalar
  • Atropin
  • Als Anästhetikum der Wahl gilt bei lebensbedrohlichen Asthma Ketalar, wegen seiner bronchialerweiternden Wirkung. Einleitung mit 0,5 - 1 mg Ketalar-S i.v. bzw. 3 mg/kg i.m. Es fördert aber auch die Bronchialsekretion und muss daher immer mit Atropin kombiniert werden.


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    Notfallmedizin/Interner Notfall: Asthma bronchiale
    © 30.11.2001 by Anton Ernst Lafenthaler und Helmuth Höllwerth
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